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Der Keltenfürst






 

Daniel Daub



ISBN: 978-3-940235-26-8

Erschienen: Okt. 08

Preis: 14,90 Euro

Broschiert, 184 Seiten



 

  

Klappentext  

 

 

 

Der Schriftsteller Thomas Staub, Verfasser keltischer Geschichten, zieht mit seiner Familie nach Wallburgen. Bald entdeckt er, dass dort etwas nicht mit rechten Dingen zu geht. Hinter der kleinbürgerlichen Fassade der Vollkommenheit lauern krankhafte Emotionen und beschädigte Seelen. Er lernt einen ominösen Buchhändler kennen, der geheimnisvolle Anspielungen macht, eine böse Kraft ginge in der verfluchten Stadt um. Es kommt zu Erlebnissen, die Thomas an seinem Verstand zweifeln lassen. Sind es am Ende doch nur Halluzinationen?

In einer mittelalterlichen Chronik findet sich eine grauenerregende Geschichte, welche Thomas’ Vermutungen untermauert. Das Grab eines Keltenfürsten scheint im Mittelpunkt der sonderbaren Ereignisse zu stehen. Thomas gerät in einen Strudel unerquicklicher Verwicklungen. In der Nacht von Samhain, dem keltischen Totenfest, wird das Geschehen dramatisch.

 

 

Leseprobe

 

Es regnete. Ich glaube, obwohl ich es nicht mit Sicherheit behaupten kann, dass es fast die ganze Zeit über geregnet hat, die ganzen Wochen, bis zu jenen denkwürdigen Ereignissen. Für gewöhnlich kennen wir so etwas aus drittklassigen Filmen, wo verzweifelte Helden gegen absonderliche dunkle Mächte kämpfen, welche anfangs nur schemenhaft in Erscheinung treten und uns solcherart noch mehr ängstigen. Das Klischee ist oft geprägt von einer nebelverhangenen, ungemütlichen Grundstimmung und fortwährend prasselt ein apokalyptischer Schauer nieder. Dass es manchmal wirklich so ist, kann ich nicht mehr bestreiten, aber selbst hätte die Sonne geschienen, wären die Schrecken nicht weniger grauenerregend gewesen.

Wir erreichten an jenem Tag das Tausendseelendorf Wallburgen, irgendwo im westlichen Saarland. Die Sicht war schlecht und die Scheibenwischer erbrachten Höchstleistungen. Vor der Windschutzscheibe breitete sich eine wüste Waschküche aus und der milchige Nebel ließ die kahlen Bäume mit ihrem regentriefenden Geäst auf den Wiesen am Fahrbahnrand wie ein gichtbrüchiges, unterernährtes Dämonenheer wirken, als beabsichtigten sie jeden Moment mit ihren leprösen Klauen nach uns zu greifen.

Ich drängte den Wagen über die glitschige Bundesstraße zwischen flache Hügel, deren Kuppen mit Buchenwäldern bedeckt waren, in die Nebenstraße, wo uns nach wenigen Kilometern am Straßenrand ein morsches Holzschild an einem altersgrauen Pfosten, auf welchem der Lack blätterte, mit den phantasievollen Worten ‚Willkommen in Wallburgen’ begrüßte.

Es befanden sich noch zweieinhalb weitere Personen im Auto sowie mein Kater Hardy, der aus seiner Katzenbox auf der Ablage des Kombi anklagend maunzte. Autofahrten waren ihm von jeher verhasst. Tatsächlich hatte es mich nicht wenig gekostet diesen überernährten Tyrannosaurus Rex im Bonsai-Format in die Box zu sperren. Tiefe Kratzer zierten nun meine Unterarme, den rechten Zeigefinger hatte er mir gnädigerweise drangelassen, dennoch heilten die Stellen, an denen sich seine Schneidezähne in mein Fleisch gebohrt hatten nur allmählich. Als wir die Ortsgrenze passierten, stilisierte sich sein Jammern zu einem Fauchen.

Unser einjähriger Sohn Lukas, mein Augapfel, saß in seinem Kindersitz, ein ominöses Stofftier, das vage an die Physiognomie eines Schafes erinnert und dem ein Auge fehlte in Händen, und schlief den Schlaf der Unschuldigen. Ich warf einen Blick in den Rückspiegel und sah Mutter mit geröteten Augen blinzeln, die es dem Kleinen vermutlich bald gleich tun würde, fraglos das Beste, was man bei einem solchen Sauwetter tun kann.

Ich bemerkte, dass meine Frau Sabrina auf dem Beifahrersitz ihren Mantelkragen unbehaglich nach oben klappte, als würde sie frieren, dabei war das Auto wohltemperiert, gleichwohl man gestehen muss, dass es für die zweite Oktoberhälfte ungewöhnlich kalt war. Obwohl sonst die Kommunikationsfreude in Person, die in einer halben Stunde einen Hund tot redet, war meine Gattin die letzten Minuten in beharrliches Schweigen versunken und hatte begonnen eine ihrer lang hinabhängenden braunen Locken zu misshandeln, indem sie die Strähne immer wieder aufs Neue um den Zeigefinger wickelte. Ein eindeutiges Omen, dass sie verdrossen über etwas nachgrübelte.

„Was ist?“, erkundigte ich mich und legte ihr meine rechte Hand auf den Oberschenkel, während meine linke das Auto in der Spur hielt.

„Traurige Gegend“, sagte sie.